Die Oberpfalz mitten in Europa
»Ich glaube, dass dieses Europa die Gestalt der heutigen gesamten Weltzivilisation vorbestimmt hat, also verantwortlich ist sowohl für das Wunderbare wie für das Widersprüchliche. Jetzt muss sich Europa den allgemeinen Zivilisationsproblemen in einer Weise stellen, die anderen als Vorbild dienen könnte.«
[Václav Havel, Präsident a.D. der Tschechischen Republik]
Seit 1989 befinden wir uns nicht mehr am Rand Westeuropas, sondern in der Mitte Europas. Trotz aller Ängste und Sorge der Bürger hat sich der Fall des Eisernen Vor¬hangs als Segen für die gemeinsame Zukunft der ehemals künstlich getrennten Nachbarn erwiesen.
Als sozialdemokratischer Europäer möchte ich die Chancen, die sich durch unsere Lage an der europäi¬schen Magistrale von Paris via Nürnberg nach Prag bietet, energisch nutzen. Die EU stellt für binationale Projekte ein Instrumentarium an Strukturfonds zur Verfügung, das wir noch nicht im vollen Maße ausschöpfen.
Dass es sich die Stadt Amberg geleistet hat, auf ein Europäisches Informationsbüro zu verzichten, dessen Aufgabe es gewesen wäre, engagierte Bürger und Unternehmer dabei zu unterstützen, ist Beispiel einer vertanen Chance. Dabei dürfte es kein Zufall sein, dass die selbsternannte bayerische Staatspartei, die auch in Amberg den Oberbürgermeister stellt, leider noch immer versucht, mit antieuropäischen Vorurteilen Wählerstimmen zu gewinnen, anstatt die Bürger über europäische Potenziale aufzuklären. Um Ostbayern wirtschaftlich voranzubringen, bedarf es guter nachbarschaftlicher Beziehungen zu unseren Nachbarn.
Der Außenhandelsumsatz mit den neuen EU-Mitgliedern beträgt 15,8 Prozent und somit mehr als derjenige mit Frankreich (15 Prozent). Die (mittel-) osteuropäischen EU-Mitglieder sind auf dem besten Weg, unsere wichtigsten Handelspartner zu werden.
Damit auch unsere kleinen und mittleren Betriebe davon profitieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern können, möchte ich die vorbildlichen Initiativen der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer und der Gewerkschaften bei der Vermittlung von Know-how über die östlichen Nachbarn unterstützen und darüber hinaus Netzwerke knüpfen:
Die Universität Regensburg mit ihrem interdisziplinären Studiengang „Bohemicum“, die Hochschule für angewandte Wissenschaften Amberg-Weiden mit ihren Tschechisch-Seminaren, Tandem in Regensburg, einige Volkshochschulen in der Oberpfalz und viele private Initiativen und Vereine vermitteln interkulturelles Wissen, das auch die Erfolgsaussichten von Unternehmern mit grenzüberschreitenden Aktivitäten verbessern helfen kann.
Ich setze mich als Europa-Abgeordneter aus der Oberpfalz dafür ein, dass die bayerisch-¬böhmische Grenzregion ein vernetzter Zukunftsstandort mitten in Europa wird – ein attraktiver Standort für Familien und nicht eine Region, aus der die Menschen abwandern, weil sie keine Perspektiven sehen.



