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Ismail Ertug
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Die steinige, stolze Oberpfalz

 

Im Europäischen Parlament vertrete ich die Bürgerinnen und Bürger der Oberpfalz und Niederbayerns. Die Reize meiner Heimat sind nicht so bekannt, wie die von Oberbayern, aber genau das gefällt mir: Bei uns geht's a weng gmiatlicher zua. Hier ist ein erster Schwung Informationen zu den Landkreisen an der oberpfälzisch-tschechischen Grenze.

 

Der Oberpfälzer Wald: Tirschenreuth, Neustadt an der Waldnaab, Schwandorf


Die drei Landkreise Tirschenreuth, Schwandorf und Neustadt an der Waldnaab eint ihre reizvolle Landschaft und die Lage im "Oberpfälzer Wald": Hunderte von mittelalterlichen Befestigungen und tausende Seeen inmitten zerklüfteter Felsenlandschaft sind die landschaftlichen und zugleich wirtschaftlichen Stärken der Gegend. Ob Eislaufen im Winter, Baden und Wasserski im Sommer oder schlichtes Spazierengehen zu jeder Jahreszeit – diese Vielfalt lässt die Gastwirte und Hotels der Region zu jeder Jahreszeit aus dem Vollen schöpfen. Ein wahres Paradies ist der Oberpfälzer Wald für Geologen, egal ob sie vom Fach sind oder sich nur in ihrer Freizeit mit den Erdzeitaltern beschäftigen: Gut beschilderte Lehrpfade, spezielle Museen oder die “Kontinentale Tiefbohrung” (KTB) nutzen zerklüftete Felsen, die einen Einblick in die Geschichte gewähren. Die Landkreise zeichnen sich durch regionale Besonderheiten aus:


Landkreis Tirschenreuth (TIR)


Der Zusatzname "Das Land der Tausend Teiche" erklärt sich von selbst. Fischteiche und Badeseen lassen Wanderer kaum trockenen Fußes passieren. Unter Bierkennern ist der Landkreis bekannt als Heimat des "Zoigls". Dieser untergärig gebraute Gerstensaft wird in speziellen Schenken verkauft, die wegen ihrer ausnehmenden Urigkeit und Gemütlichkeit geschätzt sind. Schon von außen ist es einem Gasthaus leicht anzusehen, ob es den Zoigl ausschenkt oder nicht: Ein sechszackiger Stern oder ein Bierkrug umgeben von einem Ring sind untrügliche Indizien. Den etwas gestelzt klingenden Satz "Mich dürstet" hört man in eben den Gaststätten, wenn ein Bürger des hohen Nordens – auch genannt „a Preiß“ – durstig ist, oder man liest in völlig anderem Kontext: Im Rahmen der "Tirschenreuther Passion" wurden T-Shirts mit diesem Spruch verkauft. Das Stück vom Leiden und Sterben Jesu Christi ist eine Spezialität der Landkreishauptstadt und wird in unregelmäßigen Abständen auf die Bühne gebracht.

 


Landkreis Neustadt an der Waldnaab (NEW)


Grafenwöhr heißt die zweitgrößte Gemeinde des Landkreises. Seit 1907 ist hier ein Truppenübungsplatz angelegt, anfangs für kaiserliche, dann für nationalsozialistische und seit 1945 für US-amerikanische Soldaten. Mittlerweile ist er mit 350 Quadratkilometern der größte seiner Art in Westeuropa, gleichzeitig für die Gemeinde der Wirtschaftsfaktor Nummer eins.
In Neustadt an der Waldnaab, der Hauptstadt des gleichnamigen Landkreises, wurde der Komponist und Musiker Franz Gleißner geboren. Er ist Autor des ersten thematischen Verzeichnisses von Mozarts Werken. Dieser Entwurf sollte später die Basis des noch heute gültigen Köchelverzeichnisses werden.
Der Tourismus im Oberpfälzer Wald ist einfallsreich: Die Gemeinde Vohenstrauß verleiht Ehrungen für „langjährige Treue zum Urlaubsort": ab zehn Jahren aufwärts wird man mit dieser Aufmerksamkeit bedacht.

 


Landkreis Schwandorf (SAD)


In Schwandorf lockt das Oberpfälzer Künstlerhaus die Kreativen an: Hier wird seit 1988 in der litographischen Werkstatt gearbeitet, werden Werke ausgestellt oder Theaterstücke inszeniert – im November und Dezember führt das Schwandorfer Marionettentheater seine eigenen Produktionen auf. Das ganze Jahr über sind Stipendiaten aus vergleichbaren Einrichtungen in der ganzen Welt zu Gast, um für sechs oder acht Wochen in Ruhe zu dichten, zu modellieren oder zu malen. Dieser Weg ist keine Einbahnstraße, denn genauso ist das Haus ein Sprungbrett für Künstler aus der Region ins Ausland. Seit 2003 trifft sich der "Architekturzirkel" im Künstlerhaus, um mit Diskussionen, Ausstellungen, Vorträgen und ähnlichem zu einer verbesserten Kommunikation beizutragen. Bauherrn und Architekten, Entscheidungsträger und vor allem Bürger hat der Verein im Visier, der Interesse für Baukultur wecken möchte.

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