Das liebliche Niederbayern
Regen (REG)
Im Landkreis Regen wachsen gläserne Bäume. Die Edeltannen aus acht Millimeter dickem, zart grün und blau schimmernden Glas sind 4,50 Meter hoch und wurden von Künstlern gepflanzt, die ambitioniert sind: Rund um die Burgruine Weißenstein, deren Burgherren die ersten Glashüttenbesitzer im Bayerischen Wald waren, soll ein ganzer Wald aus dem im Boden reich vorhandenen Material Quarz entstehen. Die Burg liegt Nahe der Kreisstadt Regen, die sich seit knapp 2004 Luftkurort nennen darf.
Regens circa 12.000 Einwohner und zahlreiche Gäste feiern einmal jährlich das “Pichelsteinerfest”, das größte Fest im bayerischen Wald. Der Name kommt vom gleichnamigen Gericht, einer schmackhaften und deshalb national bekannten Suppe, deren Rezept nahe der Stadt auf dem “Büchelberg” entstand: Dreierlei Fleischsorten werden in kleine Würfel geschnitten und unter Zugabe von verschiedenem Gemüse, Kartoffelscheiben und Gewürzen geschmort und gedünstet.
1874 entschlossen sich vier Handwerker, dieses Essen zu feiern. Was als gemütliche Gaudi begann, wurde schnell zu einem Volksfest mit Festumzug und Gondelfahrt, Feuerwerk und Wasserspielen, das sich heute auf eine Woche und tausende Besucher ausgeweitet hat. Ein Ereignis ist auch das Musikfest “drumherum”, bei dem alle zwei Jahre Volksmusik in Konzerten und auf einer Messe präsentiert wird.
Freyung-Grafenau (FRG)
Der Freyung-Grafenau besteht zu 60 Prozent aus Wald, was zugleich Schwäche und Stärke des Landkreises ist. Als Nachteil gelten die schlecht ausgebaute Infrastruktur und damit einhergehend mangelnde industrielle Investitionen. Eine Stärke ist die Forstwirtschaft und der “Nationalpark Bayerischer Wald”. Gut 24.000 Hektar Mischwald sind seit 1970 in großen Teilen völlig unberührt, immer unter dem Banner “Natur Natur sein lassen”. Auf Lehrpfaden oder dem Rundweg durch das Tiergehege werden den Einheimischen und Gästen aus dem In- und Ausland Tiere und Pflanzen aus der Region vorgestellt – vorausgesetzt, dass diese Lust haben sich zu zeigen. Die annähernd natürlich gestalteten Gehege sind so weitläufig, dass Wisentherden und Wolfsrudel, Wildschweine, Bären und andere urige Viecher sich vollkommen zurückziehen können. Genau dieses Versteckspiel macht den Reiz des Parks aus, der der erste seiner Art in Deutschland ist. Der großzügige Umgang mit dem Borkenkäfer – einfach fressen lassen – sorgt auf tschechischer Seite für Verstimmungen, denn in der Sumava wird der Käfer gezielt dezimiert.
Waldkirchen ist mit mehr als 10.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt des Landkreises. Der Legende nach verdankt sie ihren Namen einem Ritter, der sich im Wald verlaufen und gelobt hatte, er würde im Falle seiner Rettung eine Kirche errichten. Die Glocken von Hutthurm wiesen ihm am nächsten Morgen mit ihrem Klang den Weg, der Gerettete kam seinem Versprechen nach und baute die “Kirche im Wald”, die Siftskirche Waldkirchens. In der Nähe des Ortes wurde die bekannteste bayerische Volksdichterin Emerenz Meier geboren. Ihre Gedichte und Erzählungen sind erdig, nachdenklich und lesenswert, wenn auch ihre niederbayerische Familie und Nachbarschaft sich gerne über die “narrische Verslmacherin” lustig machten.


