Pressebericht

40 Jahre starkes Netzwerk

Seit 40 Jahren befasst sich das Kraftfahrzeugtechnische Institut KTI mit Forschung und Entwicklung rund um Reparaturprozesse an Kraftfahrzeugen. Diesen Anlass begingen das Institut und seine Gesellschafter mit einer Jubiläumskonferenz im Schwarzwald

Gegründet im Jahr 1977, begleitet das KTI als Branchen-Netzwerk seit Jahrzehnten die oftmals umwälzenden Veränderungen bei Materialeinsatz und Konstruktion von Kraftfahrzeugen und deren Folgen für die Reparatur. Den 40-Jahre-Meilenstein begingen das Institut und seine Gesellschafter jetzt mit einer Jubiläumskonferenz mit namhaften Experten in Altensteig-Wart im Schwarzwald.

Der Veranstaltungsort war wohl gewählt. In Wart begann vor 40 Jahren die Geschichte des Instituts. Damals noch als ASA Lehr- und Versuchswerkstätte, wobei ASA für Auto-Schaden-Abwicklung Organisations GmbH stand. Heute sind die Gesellschafter des KTI Marktteilnehmer der Kfz-Reparaturbranche: Versicherer, die Verbände des Kfz-Gewerbes, die Dekra sowie Datenanbieter, Restwertbörsen und Prozessdienstleistern.

Experten diskutieren automatisiertes Fahren

Vor den Vertretern der KTI-Gesellschafter diskutierten Professor Andre Seeck (BASt), Dr. Dirk Wisselmann (BMW), Eberhard Hipp (vormals MAN), Dr. Thorsten Leonhardt (Audi), Torsten Gollewski (ZF) sowie der Europaabgeordnete Ismail Ertug (SPD) mit Moderatorin Claudia Kleinert und KTI-Geschäftsführer Frank Leimbach aktuelle Fragestellungen rund um das automatisierte und vernetzte Fahren.

Einig waren sich die Teilnehmer, dass die verschiedenen Stufen der Automatisierung sich in den kommenden Jahren zunehmend mischen werden. Dabei seien in klar definierten Fahrsituationen, wie etwa im Stau auf der Autobahn, auf einem automatisierten Speditionsbetriebshof oder im Parkhaus, die schnellsten Automatisierungsschritte zu erwarten. Auch mit so genannten Robotaxis im urbanen Raum rechnen die Experten schon in wenigen Jahren. Dagegen seien etwa auf Landstraßen die Herausforderungen auf dem Weg zum automatisierten Fahren deutlich komplexer.

Menschliche Fehler auffangen

Für die Verkehrssicherheit, so die Erwartung, wird der Fortschritt bei der Automation zunächst in den Situationen einen Nutzen bringen, in denen trotz allem noch der Mensch selbst fährt – etwa in Form von Notbrems-Systemen oder Systemen, dank derer das Fahrzeug automatisch ausweichen kann. Basis für solche Systeme ist die umfangreiche Sensorik, die auch für die eng abgegrenzten Situationen gebraucht wird, in denen das Fahrzeug automatisch fährt. Bei alldem ist die technische Entwicklung die eine Seite, die rechtliche Situation die andere. Insbesondere beim technischen Zulassungsrecht würde unter Hochdruck auf europäischer Ebene gearbeitet, erklärte BASt-Vertreter Seeck.

Systeme brauchen Lernprozesse

Beim Thema Technologie wurde deutlich, wie komplex die Anforderungen an automatisiert fahrende Fahrzeuge sind. In Sachen optischer Systeme, Bildverarbeitung und Rechenleistung, so die einhellige Meinung, sei der Mensch der Maschine nach zwei Millionen Jahren Evolution eben deutlich überlegen.

Wenn aber der Mensch als Rückfallebene aus dem Spiel genommen wird, weil das Fahrzeug hochautomatisiert fahren soll, müssen mehr Redundanzen im technischen System vorgesehen werden. Doch damit nicht genug: Wenn das Auto so gut werden soll wie der Mensch, wenn es „intuitiv“ reagieren soll, müssen automatisierte Systeme umfangreiche Lern- und Trainingsprozesse durchlaufen, die enorme Datenmengen erfordern. ZF-Entwickler Gollewski vertrat den Standpunkt, dass die Automobilindustrie bei solchen Entwicklungsprozessen in Zukunft enger zusammenarbeiten müsse.

Fahrzeug wird Teil des Internets

Die großen Aufgaben, die das automatisierte und vernetzte Fahren für die Politik mit sich bringt, wurden ebenfalls thematisiert. Aktuell kommen einzelne Fahrzeuge mit automatisierten Systemen per Sondergenehmigung auf den Markt, während auf der Ebene der vereinten Nationen der rechtliche Rahmen beraten wird. „Das ist ein zäher Prozess, weil es eben nicht einfach ist, einen – auch im Hinblick auf menschliches Fehlverhalten, also nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch – wasserdichten Gesetzestext zu entwerfen“, so KTI-Geschäftsführer Leimbach. Eine ebenso anspruchsvolle Aufgabe an die Hersteller ist es, das Grundvertrauen der Kunden in die technische Sicherheit des Fahrzeugs auf die Datensicherheit zu übertragen.

Fahrzeugreparatur bleibt wichtig

"Die Entwicklung wird immer schneller und die Fahrzeuge werden zugleich immer komplexer“, stellte KTI-Geschäftsführer Frank Leimbach fest. Er betonte die Bedeutung von Schulung und Qualifizierung im Werkstattbereich, aber auch von weiterer ständiger Forschungsarbeit rund um die Reparatur. „Wir als KTI stehen dafür, dass Fahrzeuge auch in Zukunft repariert werden können und nicht zu Einweg-Wegwerfprodukten werden.“

Das KTI freute sich über die zahlreichen Teilnehmer an der Jubiläumskonferenz.

Auf der Jubiläumskonferenz diskutierte ein hochkarätig besetztes Plenum (von links): Dipl.-Ing. Eberhard Hipp / ehem. MAN, Dr. Thorsten Leonhardt/Audi, Prof. Andre Seeck/BaSt, Claudia Kleinert/Moderatorin ARD, Dr. Dirk Wisselmann/BMW, Dipl.-Ing. Frank Leimbach/KTI, Dipl.-Ing. Torsten Gollewski/ZF Friedrichshafen, Hr. Ismail Ertug/Mitglied des Europäischen Parlaments

 

Quelle: F+K, Fahrzeug + Karosserie am 14.11.2017

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