Pressebericht

„Bezahlbares Wohnen gibt es in Landshut nicht“

Eine Wohnungsbaugesellschaft könnte Abhilfe schaffen, meint eine Gesprächsrunde

Von Stefan Klein

Es muss sehr viel passieren, damit in Landshut und Umgebung in den kommenden Jahren ausreichend neuer, vor allem bezahlbarer Wohnraum entstehen kann. Er wird in der Region dringend benötigt. Eine städtische Wohnungsbaugesellschaft wäre ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung. Darin waren sich die Teilnehmer einer Gesprächsrunde zum Thema „Wohnen und Leben in Landshut“ gestern Vormittag im Gewerkschaftshaus in der Nikolastraße einig. Eingeladen zu dem Austausch hatten die SPD-Landtagsabgeordneten Ruth Müller aus Pfeffenhausen und Dr. Christoph Rabenstein aus Bayreuth. Beide – Müller als Stellvertreterin, Rabenstein als stellvertretender Kommissionsvorsitzender – waren in der Enquete-Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse in Bayern“ tätig. Diese Kommission aus Politikern und Experten hat in mehr als dreijähriger Arbeit versucht, das seit 2014 in der bayerischen Verfassung verankerte Staatsziel der Förderung gleichwertiger Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen mit Leben zu füllen. Im Januar dieses Jahres wurde der Abschlussbericht vorgestellt, in dem die Wohnthematik prominenten Raum einnimmt.

Niederbayern sei ein gutes Spiegelbild für die Situation in ganz Bayern, sagte Ruth Müller einleitend. Boomenden Regionen wie Landshut stünden mehr oder weniger abgehängte wie mancherorts im Bayerischen Wald gegenüber. Diese Dichotomie lässt sich durchaus auf Landshut herunterbrechen, betrachtet man die Situation auf dem Wohnungsmarkt. Es würden deutlich zu wenig Wohnungen gebaut, sagte Josef Biersack, Vorsitzender des Mietervereins Landshut. Und die Hälfte der neu gebauten bestehe auch noch aus teuren Eigentumswohnungen. Dagegen gebe es im bezahlbaren Mietsegment viel zu wenig (neue), obwohl sie ungleich dringender benötigt seien. Die Stadtratsmehrheit verweigere aber eine städtische Wohnungsbaugesellschaft und setze stattdessen auf „punktuelle, sinnlose Kleinmaßnahmen“. Die durchschnittliche Nettomiete in Landshut beträgt laut Mietspiegel 6,84 Euro pro Quadratmeter. Dabei sei es schon ein „Glücksfall“, so Biersack, eine Wohnung für elf Euro pro Quadratmeter zu finden. Bei den aufgerufenen Mietpreisen seien Familien mit mehreren Kindern, Alleinerziehende oder sozial schwächer Gestellte oft „längst abgehängt“. Biersacks ernüchtertes Fazit: „Bezahlbares Wohnen in Landshut gibt es nicht.“

Abhilfe könnten 500 bis 600 neue bezahlbare Wohnungen in den kommenden zwei Jahren schaffen. Diese seien aber nirgendwo in Sicht. Eine von steigenden Mietpreisen besonders betroffene Gruppe sind häufig Alleinerziehende, von denen Johanna Behrens von der Diakonie berichtete. Wohnen stelle für viele, nicht alle, Alleinerziehende in Landshut eine große finanzielle Belastung dar. Bei ohnehin schwierigen finanziellen Verhältnissen reiche eine Krankheit oder ein Jobverlust, um das „fragile System“ zum Einsturz zu bringen. Und bei einem Umzug in den Landkreis zu vermeintlich günstigeren Mieten benötige man sehr oft ein Auto, was für die Betroffenen neue Probleme schaffe.

30 Jahre nichts passiert im sozialen Wohnungsbau

Die letzten 30 Jahre sei in Sachen sozialer Wohnungsbau nichts mehr passiert, konstatierte der ehemalige DGB-Regionsvorsitzende Hans-Dieter Schenk, der sich aktuell für das Bürgerbegehren zur Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft einsetzt. „Etwas erschüttert“ sei er, dass der Stadtrat nur auf private Investitionen setze. Das sei grundsätzlich nicht schlimm – „aber so bekommt man keine bezahlbaren Wohnungen“. Landshut sei die einzige Stadt vergleichbarer Größe in Niederbayern, die keine städtische Wohnungsbaugesellschaft habe. Zu seinem Erstaunen sähen auch viele Bürger deren Notwendigkeit nicht. „Viele meinen, dass mit einer Lösung des sogenannten Asylproblems auch die Wohnungsproblematik gelöst wird. Dabei besteht die seit 30 Jahren“, so Schenk. Bei anderen fehle es an gesellschaftlicher Solidarität: „Die sagen, sie haben eine Wohnung, da interessiert sie das nicht.“

Gleichwertigkeit, nicht Gleichartigkeit, der Lebensverhältnisse bedeute „Chancen dort, wo man aufwächst“, sagte Christoph Rabenstein. Hierbei sei das Thema Wohnen ein ganz zentrales. Das regionale „Auseinanderdriften“ von Ballungsräumen und Gebieten, die zunehmend entvölkert würden, zeige sich auch auf gesellschaftlicher Ebene mit der wachsenden Spaltung in Wohlhabende und Ärmere. Der Abschlussbericht der Enquete-Kommission belege, „dass die CSU das auch so sieht“. So lauten zwei Handlungsempfehlungen bezüglich Wohnen im Bericht „Ausbau des öffentlich geförderten Wohnungsbaus“ und „Wiederbelebung des kommunalen sowie des genossenschaftlichen Wohnungsbaus“. Auch und gerade in ländlichen Regionen, wie Rabenstein betonte.

Die europapolitische Sichtweise brachte der SPD-Europaabgeordnete Ismail Ertug ins Gespräch. Der Bereich Wohnen falle klar in die nationale Kompetenz. Die jetzige Wohnungsknappheit in Städten wie Landshut und Regensburg habe man sich vor einigen Jahren allerdings nicht träumen lassen. Doch kann die EU mit Strukturprogrammen und Fördergeldern auch hier Veränderungen zumindest anregen. Ertug wies auf die Schwierigkeiten hin, EU-Mittel zu verteilen, wenn nach dem Brexit die Höhe des künftigen EU-Budgets unbestimmt sei und dennoch zahlreiche Begehrlichkeiten bestünden.

 

Quelle: Landshuter Zeitung am 23.06.18

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