Pressebericht

Die SPD setzt auf Frau mit viel Elan

Die Spitze des Stadtverbands Amberg spricht sich für Birgit Fruth als OB-Kandidatin aus. Sie liebt solche klaren Worte.

Von Jeff Fichtner

Amberg. Erst 2013 in die SPD eingetreten, im Herbst 2014 als Nachrückerin in den Stadtrat gekommen, ab Januar 2015 dort Fraktionsvorsitzende und nun fast schon Kandidatin des SPD-Stadtverbands für den Posten der Oberbürgermeisterin: Binnen weniger Jahre hat sich Birgit Fruth (48) bei den Sozialdemokraten offenbar sehr überzeugend in Szene gesetzt. Die Spitze der Amberger SPD hat Birgit Fruth als Kandidatin für den OB-Sessel im historischen Rathaus präsentiert.

Ist damit die Nominierungsversammlung des Stadtverbands am Freitag, 22. März, ab 19.00 Uhr im Tagungs- und Seminarzentrum der Firma Lüdecke, Heinrich-Hauck-Straße 2, nur noch Formsache? Sicherlich nicht, aber es spricht einfach sehr viel für die vergleichsweise junge Senkrechtstarterin der Amberger Genossen. Daran lassen drei gestandene Polit-Mannsbilder der SPD keinerlei Zweifel.

In der Geschäftsstelle im Franz-Xaver-Kemeter-Haus scharen sich die Herren um die Dame, um die Hoffnungsträgerin: Martin Seibert (Vorsitzender Stadtverband), sein Stellvertreter Dieter Weiß, der Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Amberg, MdEP Ismail Ertug. Fruth - gut, aber war da nicht noch eine andere denkbare Kandidatin fürs höchste Amt im Rathaus?

Brigitte Netta hat abgelehnt

„Selbstverständlich“ hat der Stadtverband bei der Kandidatensuche zuerst bei 3. Bürgermeisterin Brigitte Netta angeklopft. Seibert berichtet von vier langen und „nicht einfachen“ eigenen Gesprächen mit der SPD-Bürgermeisterin; weitere Unterredungen habe es gegeben. Im Dezember 2018 dann habe Brigitte Netta erklärt, dass sie als OB-Kandidatin „auf keinen Fall“ zur Verfügung stehe. „Das haben wir nicht zu kommentieren, das haben wir so hinzunehmen“, sagt Seibert.

„Es reicht nicht, einfach zu fragen, wer will“, weiß der Stadtverbandschef aus langjähriger Erfahrung. Da gebe es „Befindlichkeiten“, und man müsse „Vorsicht“ walten lassen. Einige Zeit habe sich die Amberger SPD schon auf der sicheren Seite gewähnt, ehe der vormals hoffnungsvolle Kandidat Uli Hübner dann doch wieder einen Rückzieher gemacht habe. Solche Schwierigkeiten seien umso schmerzlicher, als die „Kommunalpolitik für die Bürger das Wichtigste ist“, sagt Seibert. 2020 gehe es eben nicht um die SPD in Bund und Land, sondern darum, ob die Amberger SPD für den Nachbarn X und die Nachbarin Y eine echte Alternative bieten könne - eine Alternative dann auch zum amtierenden CSU-Oberbürgermeister Michael Cerny.

In der Hierarchie der Amtsinhaber bei der SPD folgt auf Brigitte Netta dann schon Birgit Fruth. Sie sei noch nicht lange in der Partei, bilanziert Seibert, „aber sie hat viel getan und viele neue Ideen ins Spiel gebracht“. Auch Fruth kann sich zuerst Zeit lassen, für eine nicht leichte Entscheidung: „Als Kandidatin ist sie ungefähr ein Jahr lang voll eingespannt“, gibt Seibert zu bedenken. Vor 14 Tagen hat Birgit Fruth sich entschlossen, voranzugehen, als OB-Kandidatin, wenn man sie denn haben will. Man will, hundertprozentig, zumindest schon mal im Vorstand. „Es kommt aber erst noch die Konferenz“, so der Vorsitzende. Doch mit ihrem großen Engagement, ihrem ungebremsten Tatendrang genieße Birgit Fruth sicherlich auch in der Amberger SPD insgesamt breiten Rückhalt; nur ein Versprecher ist es, dass Seibert im Eifer des Gefechts von einem „breiten Hinterhalt“ spricht.

Was sagt sie selbst, die SPD-“Quereinsteigerin“? Dies sei ein spannender Tag in ihrem Leben, die Weichen seien „eigentlich anders gestellt gewesen“, doch freue sie sich jetzt auch auf diese Herausforderung, so Birgit Fruth. Stadtverband und Rathausfraktion „beflügeln mich“. Zwar werde auch sie das Rad nicht neu erfinden, doch betrachte sie sich selbst als „geradlinig und entscheidungsfreudig“. Birgit Fruth weiter: „Ich rede schon Tacheles, auch bei unbequemen Entscheidungen, und ich gehe auch dorthin, wo es wehtut.“ Die Kandidatin erinnert an die Debatten um die „Kundenstopper“ in der Innenstadt, also Werbetafeln im öffentlichen Raum: „Da haben wir dann eben den Kontakt vor allem zur Gastronomie gesucht“, freut sich Birgit Fruth über ihr „breites Kreuz“.

Sie will „mehr gestalten, statt mehr verwalten“, sagt die Vertriebsassistentin der AOK. Sie „möchte gewinnen“, werde aber nicht übermütig, verspricht sie. Natürlich habe ein Oberbürgermeister einen „Amtsbonus“, aber: „Menschen wählen Menschen“, gibt sich Birgit Fruth zuversichtlich.

Lanze für sozialen Wohnungsbau

Sie bleibt nicht aus - die Frage nach dem neuen Umgang mit dem größten politischen Konkurrenten im Amberger Stadtrat, den Christsozialen. Im Herbst 2018 war es seitens der SPD vorbei mit dem lange Jahre eingeübten „Schmusekurs“ mit der CSU. Doch Birgit Fruth sagt ganz klar: „Von meiner Seite aus muss der Ton nicht rauer werden, ich brauche keine Grabenkämpfe, es geht nicht um Kritik am Amtsinhaber, sondern um Sachthemen.“

Und daran mangelt es nicht auf der Agenda der OB-Kandidatin. Beim Bauen und Wohnen brauche es viel mehr sozialen Wohnungsbau: „Seit zwei Jahren liegt ein Haushaltsantrag dazu auf Halde, es passiert nichts.“ Bildung und Soziales blieben weiter zentrale SPD-Themen. Der Mittelstand ist, wie Fruth mehrfach betont, für sie nicht nur eine Floskel, unter der man sich im Zweifel alles Mögliche oder gar nichts vorstellen könne: „Ich bin beruflich jeden Tag bei den Beschäftigten und bei den Arbeitgebern, auf Augenhöhe.“ Auch bei Tourismus und Kultur könne diese Stadt neue Impulse gut vertragen.

In einem Bereich ist die Gemeinsamkeit im Amberger Stadtrat laut Birgit Fruth ungebrochen: „Wir sind gewappnet, der ganze Stadtrat, gegen eine AfD, für die die Zuwanderung an allem schuld ist.“ Es gehe vielmehr darum, Verwaltungshandeln zu beschleunigen, um die Menschen wieder mehr mitzunehmen. Das freut auch Ismail Ertug, der prophezeit: „Die Leute werden sich noch umschauen, was die SPD hier leisten kann!“

 

Quelle: www.mz.de am 01.02.2019

 

Ein Bericht über die Stadtverbandskonferenz ist ebenso in der AZ vom 02.02.2019, ein Interview mit Birgit Fruth in der MZ vom 02.02.2019.

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