Pressebericht

EU will gegen Tachostand-Betrug vorgehen

Die Europäische Union will mehr gegen Tacho-Betrug tun: Der Verkehrsausschuss des EU-Parlaments beschäftigt sich heute mit einem entsprechenden Gesetzesvorschlag.

Der Aufwand ist gering, der Schaden immens: Tachos in Autos mit Bordcomputern lassen sich relativ leicht manipulieren. Bei Gebrauchtwagen können 10.000 oder 20.000 weniger oder mehr auf dem Tacho viel Geld bedeuten.

Der SPD-Europaabgeordnete Ismail Ertug will jetzt dem Tachobetrug einen Riegel vorschieben. Vorbild ist Belgien: Bei unseren Nachbarn wird der Kilometerstand bei jedem Werkstattbesuch erfasst und in einer Datenbank vermerkt. Belgien tauscht die gespeicherten Kilometerstände außerdem mit den Niederlanden aus. In beiden Ländern ist das Problem der Tachomanipulation so gut wie nicht mehr vorhanden. Ertug will nun, dass das belgische System auf ganz Europa übertragen wird.

Per Chip fälschungssicher

In Neuwagen könne ein spezieller Chip den Tacho fälschungssicher machen, sagte Ertug im SWR-Interview: "Das ist von Studien unterlegt, dass das pro Fahrzeug gerade mal einen Euro kosten würde."

Bei Altfahrzeugen solle bei jedem Werkstattbesuch der Tachostand in eine europaweite Datenbank eingetragen werden: "Wir haben heute schon die Möglichkeit, die Fahrzeug-Identifikationsnummern europaweit in einer Datenbank aufzunehmen. Warum nutzen wir das nicht und erfassen auch die Kilometerstände?"

Polizei: Manipulierter Tacho in jedem dritten Gebrauchtwagen

Manipulierte Kilometerstände findet man vor allem noch in Autos in Osteuropa. Die Polizei geht davon aus, dass in jedem dritten Gebrauchtwagen in der EU inzwischen der Tacho manipuliert wurde. Der Schaden für die Verbraucher geht in die Milliarden.

Ertugs Gesetzesvorschlag wird heute im Verkehrsausschuss des Europaparlaments diskutiert. Stößt er auf ein positives Echo, dann dürfte er auch im Parlament eine Mehrheit finden. Dann aber müsste noch die EU-Kommission ein Gesetz ausarbeiten. Bis ein neues Gesetz gegen Tachobetrug in Kraft tritt, könnten noch Jahre vergehen: Vor 2020 dürfte das nichts werden.

Von Pascal Lechler, SWR-Auslandskorrespondent in Brüssel

 

Quelle: www.swr.de am 23.01.18

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