Pressebericht

Harter Brexit - kaputter Flugverkehr?

Die Brexit-Verhandlungen haben ihr erstes Etappenziel klar verfehlt. Es gebe nicht genug Fortschritt, um die wichtige zweite Phase der Gespräche zu starten, sagte EU-Unterhändler Barnier nach der ergebnislosen fünften Gesprächsrunde. Brexit-Minister Davis sprach hingegen von "erheblichen Fortschritten" und appellierte an die EU, die Verhandlungen jetzt auszuweiten. Mit den Differenzen steigt die Gefahr eines harten Brexit. Die Folgen könnten dramatisch sein - zum Beispiel im Flugverkehr.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Etwa eine Milliarde Menschen sind im vergangenen Jahr in der Europäischen Union geflogen. Das ist ein neuer Rekord. Die meisten Passagiere kommen aus Großbritannien, Deutschland und Spanien. Der Flughafen Heathrow in London ist mit fast 76 Millionen Passagieren pro Jahr das größte Reise-Drehkreuz in Europa.

Über den Wolken scheint Europa grenzenlos zu sein. Doch was würde eigentlich mit dem Flugverkehr passieren, wenn es einen harten Brexit gäbe?

Statt Flugzeug mit Schiff oder Zug

Das wäre also im März, spätestens im September nächsten Jahres. Kommt bis dahin keine neue Regelung zustande, könnte es im schlimmsten Fall sein, dass der Flugverkehr zusammenbreche, warnt Meißner.

"Es wäre tatsächlich möglich, dass ab März 2019 gar keine Flugbewegungen vom Festland nach London stattfinden können", so Meißner. Ryanair-Boss Micheal O' Leary habe Recht, wenn er sage, dass die Briten dann überlegen müssten, ob sie Zug oder Schiff fahren.

Flugzeuge, die in Zukunft nicht mehr von London nach Frankfurt, Düsseldorf oder Berlin fliegen? Oder umgekehrt? Derartige Szenarien hält der SPD-Verkehrsexperte Ismail Ertug für unwahrscheinlich. Momentan versuche das Vereinigte Königreich aber natürlich, strategisch Druck auf die EU aufzubauen. "Theoretisch ist alles möglich, nur glaube ich nicht, dass die Flugzeuge nicht starten werden."

Was passiert mit Flügen innerhalb der EU?

Bedeutet ein harter Brexit also einen kaputten Flugverkehr? Im eng vernetzten Luftraum wäre das nicht nur ein Problem für britische Fluggesellschaften, sondern auch für Airlines in der EU.

Dennoch: Gerade weil Großbritannien nach dem Brexit ein Drittland würde, das den Zugang zum europäischen Binnenmarkt verlieren könnte, braucht es neue Regelungen - und eine Klärung darüber, was mit britischen Fluggesellschaften geschieht, die Flüge innerhalb der EU anbieten, wie zum Beispiel Easyjet von Berlin-Schönefeld nach Amsterdam.

Die EU und Großbritannien könnten ein Luftverkehrsabkommen vereinbaren, um die Slots, Flug- und Passagierrechte zu sichern, meint Verkehrsexperte Ertug. "Aber insbesondere auch auf Seiten des Vereinigten Königreichs denke ich, dass der politische Wille und auch der Druck noch nicht groß genug ist. Ansonsten hätten wir schon längst konkrete Vorstellungen, wie wir das machen könnten."

Was bleibt ist Unsicherheit. Die Einsicht, dass der Brexit viel weitreichendere Folgen hat, als man am Anfang dachte. Und, dass über den Wolken, die Freiheit wohl doch nicht grenzenlos ist.

 

Quelle: www.tagesschau.de am 12.10.2017

Alle Presseberichte

Newsletter

Sie wollen über aktuelle europäische Themen und meine parlamentarische Arbeit regelmäßig informiert werden? Hier können Sie sich für meinen monatlichen Newsletter anmelden.