Pressebericht

In Europa feste Wurzeln geschlagen

Die Kontakte nach Tschechien waren mit Anlass für einen Preis. Schon geht die Realschule Obertraubling ein neues Projekt an.

von Michael Jaumann

Obertraubling. Hilfe für Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung, der Besuch eines KZ-Überlebenden, Austauschprojekte mit Dobrany und Santander, Besuche in Moscheen und Synagogen, Glasfenster für die Kapelle des Altenheims, das Prädikat Schule ohne Rassismus – die jüngste Realschule der Oberpfalz blickt seit ihrer Gründung vor zwölf Jahren stets über die Grenzen der Klassenzimmer hinaus.

Dafür hat die Bildungseinrichtung mit ihren rund 550 Schülern jetzt ihrerseits ein Zeugnis erhalten. Die Realschule erhielt von Kultusminister Ludwig Spaenle sozusagen eine Eins. Für ihre außerschulischen Aktivitäten gab es 2017 einen ersten Platz. Schulleiterin Monika Müller-Sperl hat die entsprechende Urkunde schon stolz im Schulhaus aufgehängt.

Für ihre außerunterrichtlichen Aktivitäten im Jahr 2017 ehrte Ministerialbeauftragte Maria Kinzinger die Schule. Leiterin Monika Müller-Sperl und die Schülersprecher Aaaron Frischeisen, Laura Jenkins und Norman Czerny nahmen den Preis entgegen. Foto: Namislo

In der Laudatio würdigte Ministerialbeauftragte Maria Kinzinger insbesondere die Themengebiete Friedenserziehung und interkultureller Austausch sowie die Förderung des Europagedankens und der Sprachkompetenz. Dazu zählen neben dem Austausch mit Santander und Dobrany unter anderem eine mathematische Stadtführung durch Regensburg in Englisch, die bei den Besuchen im Rahmen des Schüleraustauschs eingesetzt wird.

Ertug ist regelmäßiger Gast

Auf sich aufmerksam machte die Schule für das Schuljahr 2016/17 aber auch mit einer Reihe weiterer Aktivitäten und Projekte. So ist Europaabgeordneter Ismail Ertug regelmäßiger Gast in der Schule und gibt Einblick in seine Arbeit. Auch Lukas Zilch, ein körperbehinderter Schwandorfer, ist immer wieder Gast in der Schule und berichtet Abschlussklassen, wie er sein Leben meistert. Seine Aufforderung, das Leben in die eigene Hand zu nehmen, motivierte eine Klasse zu einer spontanen Aktion, mit der sie für Zilch über 7000 Euro sammelte. Mit einem Elektrorollstuhl kann dieser nun seinen Bewegungsradius weiter fassen.

Eine spontane Aktion der Klasse 10d rührte im vergangenen Jahr die Region. Die Schüler sammelten Geld, damit der Schwandorfer Lukas Zilch einen Elektrorollstuhl kaufen konnte. Mehr als 7000 Euro kamen binnen weniger Wochen zusammen. Foto: Jaumann

Die Schüler besuchen an der Universität aber auch Lernlabore in Physik und Chemie und empfangen im Gegenzug Studenten für Projekte wie „Sicheres Internet“ oder „Fair Diskutieren“. Im Kooperationsprojekt „Europa macht Schule“ mit der Uni Regensburg kommen jährlich ausländische Studenten an die Realschule und stellen in Klassen ihr Heimatland vor.

Das Siegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ trägt die Schule mit Stolz. Die Schüler helfen Flüchtlingskindern und haben einen Fotowettbewerb veranstaltet, mit dem sie ihre Einstellung gegen Rassismus verdeutlichen. In diesem Zusammenhang war im vergangenen Jahr durch Vermittlung der früheren Obertraublinger Archivpflegerin Heike Wolter der Sprecher der Überlebenden des Konzentrationslagers Flossenbürg, Jack Terry, in der Realschule zu Gast. Der nunmehr 87-Jährige forderte die jungen Leute auf, an der demokratischen Kultur in Deutschland nicht rütteln zu lassen.

Versteckt in einem Rohrtunnel überlebte der 15-jährige Jack Terry die Räumung des KZs Flossenbürg. Den Schülern der 9. und 10. Klassen berichtete er im vergangenen Jahr aus seinem Leben und sprach über den Wert der Freiheit.

Inzwischen steckt die Schule bereits in einem neuen Projekt. Zusammen mit verschiedenen europäischen Schulen wird die Realschule drei Jahre lang unter dem Motto „An experience with and for refugees“ das Thema Flüchtlinge bearbeiten. Dabei sollen die Schüler verschiedene Aspekte des Themas kennenlernen, selbst recherchieren und sich mit Schülern aus den Partnerländern austauschen.

Bereits ein Logo erarbeitet

Weitere Teilnehmer sind Schulen in Arrifana (Portugal), Cerceda (Spanien), Patras (Griechenland), Zafferana Efenea (Italien) und Szeged (Ungarn). Das erste Treffen der Schulen hat bereits im November in Portugal stattgefunden. Als Vorarbeit haben Obertraublinger Schüler ein Logo erarbeitet, das sich den Logos der anderen Schulen in einem Wettbewerb stellen soll.

Die Flüchtlings-Thematik habe sich nach den Erfahrungen mit den in der benachbarten Mehrzweckhalle untergebrachten Flüchtlingen und des Projekts Schule ohne Rassismus angeboten, sagt Schulleiterin Müller-Sperl. Das Thema Flüchtlinge sei ein Indiz dafür, dass es in der Welt nicht gerecht zugehe, ergänzt Konrektor Bernd Namislo. Die Beschäftigung mit Fragen wie Gerechtigkeit sei schulischer Auftrag.

Pro Halbjahr werden sich je zwei Schüler und betreuende Lehrer für ein paar Tage an einer der Projektschulen mit dem Thema beschäftigen. Die Erfahrungen und Zwischenergebnisse aus dem Projekt können die Pädagogen dann ihrerseits wieder im Unterricht aufgreifen. Ziel der dreijährigen innereuropäischen Zusammenarbeit sei der Entwurf für eine EU-Resolution in Sachen Flüchtlinge. Die Projektsprache ist, wie bei den Austauschprogrammen der Schule auch, Englisch.

 

Quelle: www.mittelbayerische.de am 11.01.2018

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