Pressebericht

Plättenkapitän Kohnen redet mit Reeder

"Immer viel Wasser unterm Kiel": Das wünscht Jürgen W. Ruttmann der bayerischen SPD-Chefin Natascha Kohnen. Am Samstag trägt er selber etwas dazu bei, dass der Wahlkampf der Sozialdemokratin in Amberg Oberwasser bekommt. Auf der Vilsplätte.

von Thomas Amann

Amberg. (ath) Der Inhaber der Minship Shipmanagement GmbH & Co. KG aus Schnaittenbach hat sich für diesen ungewöhnlichen Auftritt am Fluss zur Verfügung gestellt. Er geht im neuen Format "Kohnen plus" über die Bühne, mit dem die Parteivorsitzende durchs Land zieht - nicht nur, um sich und die SPD mit ihren Zielen für die Landtagswahl vorzustellen, sondern auch um Bürger und interessante Leute kennen zu lernen. Dazu zählt Jürgen W. Ruttmann als einziger Reeder Bayerns auf jeden Fall. Tatsächlich war es die Geschichte seiner persönlichen und geschäftlichen Entwicklung, die Natascha Kohnen hören wollte. Nicht allein, sondern vor Publikum, das sich recht zahlreich am Mittag an der Vilspromenade bei der Schiffbrücke versammelt hatte. Dort machte eine Plätte fest, die Ruttmann und Kohnen zuvor in Begleitung von Landtagskandidat Uwe Bergmann, MdL Reinhold Strobl, Europaparlamentarier Ismail Ertug und weiteren SPD-Anhängern an der Drahthammer Wiese bestiegen hatten. Von dort schipperten sie flussaufwärts in die Altstadt, um sich an der Anlegestelle mit ihrem Talk den Zuschauern zu präsentieren.

"Ich bin geplättet", bekannte Bergmann schon in Vorfreude auf die Veranstaltung in seiner ehemaligen Heimatstadt - der 47-Jährige ist gebürtiger Amberger und ging hier zur Schule -, um anschließend die Organisation durch den SPD-Stadtverband und das Ergbnis ebenso zu loben. Tatsächlich war es unterhaltsam, von Jürgen W. Ruttmann zu erfahren, wie es ihn als Hamburger ins Oberpfälzer Kaolinrevier verschlagen hat. Der weiße Sand und die Amberger Kaolinwerke waren dafür ausschlaggebend, die ihn bei der Gründung seines Unternehmens - spezialisiert auf den Transport von Mineralien und Sand - unterstützt hatten. Die Bedingung, sich in Schnaittenbach niederzulassen, empfand er als angenehm, weil ihm als Großstädter, der durch den Beruf viele Metropolen der Welt bereist hatte, die Oberpfälzer Landschaft und Beschaulichkeit "wie Urlaub" vorkam.

Seit 48 Jahren ist Jürgen W. Ruttmann verheiratet und bedauerte, dass seine Frau wegen einer Grippe nicht mit an Bord der Plätte war. Doch als Lehrerin habe sie sich beim Umzug in die damals neue Heimat ebenfalls rasch integriert. Natascha Kohnen hatte auch nach der Familie des Ehepaars mit seinen drei Kindern und inzwischen sieben Enkelinnen gefragt, um kurz auf ihre eigene Herkunft mit irischer Mutter und ihr Leben in München und Paris zu blenden. In der französischen Hauptstadt registrierte die bayerische SPD-Chefin nach eigenen Worten erstmals, wie wenig fortschrittlich der Freistaat vor nicht allzu langer Zeit bei den Kinderbetreuungsmöglichkeiten noch war. In Paris habe es vor Jahrzehnten schon Krippen und Ganztagsbetreuung gegeben - etwas, das an ihrem langjährigen Wohnort Neubiberg noch gar nicht existierte. Dort verdiente sich Kohnen ihre ersten Sporen in der Kommunalpolitik und wird nach eigener Schilderung noch heute von Bürgern angesprochen, wenn "irgendwo eine Hecke zu schneiden ist oder ein Kreisverkehr entstehen soll".

Den Ausschlag für ihr poltisches Engagement habe in den 1980er-Jahren der geplante Bau der WAA in Wackersdorf samt Protesten am Bauzaun gegeben. "Ich werde nie vergessen, wie die Regierung mit CS-Gas auf die eigene Bevölkerung losgegangen ist und Schlagstöcke auf den Menschen zerbrochen sind", blickte Kohnen erschüttert zurück. Auch Jürgen W. Ruttmann war seinerzeit einmal mit seinem Sohn vor Ort und "ist eingenebelt worden", um "Gott sei Dank" bald darauf die Wende in der WAA-Frage zu erleben. "Manchmal muss man Ausdauer haben", riet er der Politik in der Opposition.

Aufs derzeit aktuellste Thema, den Asylstreit zwischen CSU und CDU, eingehend, sprach der Reeder von einer "internen Meuterei". Kanzlerin Angela Merkel habe 2015 mit ihrer Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge einen "mutigen humanitären Schritt getan", sei aber offenbar in der Frage dessen, "was in Afrika los ist" und zu welchen Reaktionen diese Einladung führt, schlecht beraten gewesen. "Merkel hätte vorher mit den euopäischen Partnern reden müssen", gab ihm Natascha Kohnen recht, um zu betonen, dass die SPD "seit Jahren ein Einwanderungsgesetz fordert". Innenminister Seehofer tue allerdings gegenwärtig so, "als ob Tausende Flüchtlinge vor unserer Grenze stehen, was nicht der Wahrheit entspricht". Das, was er nun verlangt, gebe das deutsche Rechtssystem bereits her, weshalb die Bayern-SPD-Chefin den Streit "grotesk" findet. Ruttmann pflichtete ihr bei, indem die Kanzlerin das von Seehofer gesetzte Ultimatum samt Handlungsankündigung "eigenlich nicht durchgehen lassen kann".

Ein weiteres Thema in diesem Zusammenhang war der weltweite Klimawandel, der nach Ansicht von Kohnen weitere Millionen Menschen zur Flucht aus ihren Ländern zwingen wird, wenn er nicht abgemildert wird. Wenn zum Beispiel das tiefgelegene Bangladesch wegen des steigenden Meeresspiegels regelrecht versinke, werde die Bevölkerung von dort fliehen und woanders neue Heimat suchen. Auch die Entwicklungshilfe müsse mehr dazu beitragen, Fluchtursachen wirkungsvoll zu bekämpfen.

"Der Überfluss der Wohlhabenden ist der Mangel der Schwächeren", forderte Ruttmann weitere Aktivitäten weltweit gegen die wachsende Armut. Und er fügte an, dass es "nichts bringt, einem Idi Amin einen goldenen Thron finanziert und einem Mugabe das Konto gefüllt zu haben". Den Herrschern armer Staaten "das Geld auf den Tisch zu legen, ist nicht die richtige Antwort", sagte Ruttmann und setzte sich stattdessen für Hilfe zur Selbsthilfe ein, die direkt bei den Betroffenen vor Ort ankommen müsse.

 

Quelle: www.onetz.de am 24.06.18

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