Pressebericht

SPD-Fraktionschef vermisst politischen Gegner

Eigentlich will der SPD-Fraktionsvorsitzende nicht über die Weidener CSU schimpfen. Über wen auch? Einen OB-Kandidaten hat sie ja noch gar nicht. "Ein schwarzes Loch." Und dann schimpft Richter doch. Ziemlich ausführlich sogar.

Von Ralph Gammanick

"Ein paar warme Worte" habe er dem CSU-Bewerber widmen wollen, ätzt Roland Richter im Rothenstädter Lehnersaal. Aber: "Niemand da. Ein Vakuum." Und dann auch noch das: Es finde sich noch nicht mal ein Christsozialer, der am Aschermittwoch über Weiden sprechen wolle. Der Genosse staunt: "Wieder nix. Ich kann es nicht fassen." Die CSU, "einst bayerischer Stahl", sei inzwischen "ein sich verflüchtendes Spurengas", ein "politisches Phantom wie der Erlkönig am düsteren Ort". "Was wird der Waldi dazu sagen", fragt Richter in die Runde, "der Watch-Dog von Stefan Gollwitzer, der Uli Hoeneß der Weidener CSU?" Die SPDler, so tönt der Fraktionschef gar, seien inzwischen "die besseren Konservativen".

Insofern kein Wunder, dass sie am Aschermittwoch auf Altbewährtes setzen. Eine Kundgebung wie gehabt: erst Fischessen, dann deftige politische Kost vom Fraktionsvorsitzenden und einem Abgeordneten, diesmal Europaparlamentarier Ismail Ertug. Trotzdem bleiben diesmal einige Plätze frei im Saal. Bis zur Europawahl sind's nur noch zwei Monate, bis zu den Kommunalwahlen noch genau zwölf - und trotzdem sind diese offenbar vielen näher. Die Genossen hätten ihre Hausaufgaben auch längst gemacht, gibt Richter in seiner Rede (Titel: "Weiden, stärke deine Stärken") zu verstehen: Mit Jens Meyer hätten sie einen "ausgezeichneten OB-Kandidaten aus unserer Stadt für unsere Stadt". Und die CSU? Verglichen mit ihrer Personalpolitik, so Richter, "erscheint der Brexit geradezu als zielorientiertes Verfahren". Und: "Wenn das so weiter geht, müssen wir neben der Gestaltung unserer Stadt auch noch die Oppositionsrolle übernehmen."

Für die Ära Seggewiß legt der Lehrer ein detailliertes "Arbeitszeugnis" vor, in dem er die wirtschaftliche Lage der Stadt als "so gut wie nie zuvor" beschreibt: 28 000 Beschäftigte, Tiefstand bei der Arbeitslosigkeit, eine "gefüllte Stadtkasse" nach schwierigen Jahren der Konsolidierung. Als "neuen Stadtmittelpunkt", "eine der spektakulärsten und unkonventionellsten Stadtgalerien" preist der Rothenstädter das NOC an. "Hier wird kein Klotz gebaut, hier wird richtig geklotzt." Über die negativen Diskussionen in den sozialen Netzwerken, so Richter, könne er nur den Kopf schütteln."Eine Innenstadt ohne Einzelhandel, Dienstleistungen und Gastronomie ist tote Hose." Für den Wahlkampf 2020 fordert Roland Richter Zusammenhalt und Selbstbewusstsein vom Parteivolk. "Unser Team steht. Wir haben Jens Meyer. Wir haben eine Idee."

Und für die Europawahl haben sie Ismail Ertug. Eindringlich warnt der davor, "Manfred Weber und der CSU" die Stimme zu geben. "Denn die Konservativen sind die, die sich mit den Rechtspopulisten ins Bett legen, auch mit den Orbans dieser Welt." Ertugs Formel: Sozialdemokratisch bedeute progressiv, konservativ rückschrittlich. Und "ein paar warme Worte" gibt's dann tatsächlich doch noch, sowohl von Ertug, als auch von Richter: für Gisela Birner, die scheidende SPD-Geschäftsführerin. "Du hast mich mein ganzes politisches Leben begleitet", sagt Richter, "vom kleinen Juso bis zum Fraktionsvorsitzenden". So rührend war's selten am Aschermittwoch.

 

Quelle: www.onetz.de am 06.03.2019

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