Pressebericht

Spielball der Mächtigen

Die in Amberg lebenden Türken und der Streit um Erdogan

360 Kilometer Luftlinie sind es nach Berlin, 2000 nach Ankara. Die große Politik ist weit weg. Trotzdem beschäftigt der Streit zwischen der Türkei und Deutschland die Menschen in der Stadt, besonders die türkischstämmigen.

Aydin Ayten steht in seinem Imbiss in der Georgenstraße und bereitet sich hinter der Theke auf den Mittagsansturm vor. Der in den 1970er-Jahren eingewanderte Deutsch-Türke, der seit 2014 für die Gruppierung Amberger Bunt im Stadtrat sitzt, ist einer der wenigen, die sich eindeutig positionieren. "Es ist schon ärgerlich", sagt er. "Erdogan schadet nicht nur seinem Land, er schadet auch seinen Bürgern, die im Ausland leben."

So klar drückt sich kaum einer der in Amberg und Umgebung lebenden türkischen Mitbürger aus. Zwei wollen ihre Meinung über die aktuelle politische Lage nicht äußern. Der eine erklärt, es sei doch bereits alles gesagt. Der andere will sich aus der Diskussion heraushalten, weil er den Medien nicht vertraut. Ihre Sicht der Dinge sei eingeschränkt, inwiefern, das will er nicht näher erläutern.

Selvent Duran vom gleichnamigen Obst- und Gemüsehandel in der Steinhofgasse gibt sich diplomatisch. "Das ist die große Politik", sagt sie. Die kleinen Leute könnten da wenig ausrichten. "Ich finde es nur schade, was in Holland passiert ist", unterstreicht sie. "Das hätte es nicht gebraucht. Wir sind alle Menschen und als solche sollten wir auch miteinander umgehen." Die Bilder von der an der Weiterfahrt gehinderten Ministerin lassen in der Türkei die Volksseele kochen.

"Unklug" nennt aus dem Amberger Stadtteil Luitpoldhöhe stammende Ismail Ertug das Verhalten der niederländischen Regierung. Ertug sitzt für die SPD im Europaparlament. "Damit haben die Niederländer den Europäern einen Bärendienst erwiesen." In den türkischen Medien herrsche blankes Entsetzen. Die Berichterstattung führe dazu, dass Erdogan selbst bei Anhängern der Opposition Sympathien gewinne. "Deutschland hat da bisher besser agiert." Die sich hochschaukelnde Auseinandersetzung ist für ihn ein Produkt aus Aneinander-Vorbeireden und Wahlkampf. "Deutschland und die Türkei senden jeweils auf einer anderen Frequenz", versucht er die Meinungsverschiedenheiten zu erklären. In beiden Ländern sei das Verständnis von Demokratie grundverschieden.

Aydin Ayten bekräftigt seine klare Haltung: "Der Erdogan soll Wahlkampf in seiner Heimat machen." Er weiß zwar, dass etliche seiner Landsleute anderer Meinung sind. Er glaubt jedoch, dass die Mehrheit der Türken in Deutschland gegen die Verfassungsreform ist. "Besonders die Jugendlichen. Die lachen den doch nur aus." Ayten fürchtet, dass das gute Verhältnis zwischen den in der Stadt lebenden Türken und den alteingesessenen Ambergern Schaden nimmt. "Das braucht's nicht. Wir wollen doch in Frieden zusammen leben."

Quelle: O-Netz am 15.03.17

Alle Presseberichte

Newsletter

Sie wollen über aktuelle europäische Themen und meine parlamentarische Arbeit regelmäßig informiert werden? Hier können Sie sich für meinen monatlichen Newsletter anmelden.