Pressebericht

Zukunftshoffnung der Europa-Abgeordneten

Ismail Ertug (SPD) und Christian Doleschal (CSU) sehen für ihre Perspektiven noch nicht schwarz.

Von Jürgen Herda

Am Sonntag um 16.30 Uhr im Landesvorstand: Europa-Abgeordneter Ismail Ertug (SPD) und seine Genossen wissen bereits, wo die Reise hingeht – in den Keller Richtung 10 Prozent: „Wir waren uns einig, dass es keine Schnellschüsse gibt“, sagt der Amberger. „Wir werden nächste Woche im Landesvorstand genauer wissen, wer‘s geschafft hat und wer nicht.“ Derzeit gebe es keine Rücktrittsforderungen – weder an die Adresse der Spitzenkandidatin Natascha Kohnen, noch an Generalsekretär Uli Grötsch. Das könne sich ändern, wenn sich die Stimmung der Abgewählten Bahn bricht.

Was bedeutet die Wahlklatsche für Ertugs Perspektiven bei der Europa- Wahl im Mai 2019? „Bisher haben wir noch nicht mal nominiert“, verweist er auf die Aufstellung der bayerischen Liste übernächste Woche. Der Oberpfälzer konnte zuletzt von der Pole-Position der Bayernliste starten, immerhin Platz 9 auf der deutschen. „Ich sehe keinen Grund, dass es diesmal für mich schlechter laufen soll“, will das Vorstandsmitglied der deutschen Gruppe in der S&D-Fraktion seine politischen Erfolge für sich sprechen lassen. Damit die SPD aus dem tiefen Tal herauskommt, fordert Ertug mehr eine inhaltliche denn eine personelle Erneuerung: „Wer reißt sich in der jetzigen Situation schon darum, den Karren aus dem Dreck zu ziehen?“ Die Sozialdemokraten, von denen viele Wähler nicht so recht wissen, wo sie denn nun hin wollen, müssten wieder „Zukunftshoffnung wecken“.

Wie soll das gehen? „Wir müssen Europa zur Schutzmacht für die Bürger in einer unruhigen Welt machen.“ Europäische Industriepolitik müsse in Konkurrenz zu Weltregionen wie China oder Indien dafür sorgen, Regeln gegenseitig anzuerkennen. Anstelle von Slogans – „Stell dir vor, es gibt Wohnraum und keiner zockt dich ab“ – wünscht sich Ertug „einen Gesamtentwurf für die Energie-, Industrie- und Verkehrspolitik – eine Ebene darunter kann man Gesundheit, Landärzte, Krankenhaus, Bildung,Wohnen konkretisieren.“

Der 30-jährige Christian Doleschal (CSU) aus Brand ist Spitzenkandidat der Jungen Union Bayern für die Europawahl. Seine Chancen sieht er auch nach dem Wahldebakel nicht sinken. Zwar werde die Liste erst am 24. November aufgestellt, aber: „Dass die JU Bayern und der CSU-Bezirksverband Oberpfalz hinter mir stehen, ist ein starkes Pfund.“ Gerade die Landtagswahl habe gezeigt, dass sich die Partei verjüngen müsse. „Das gilt auch für das Europäische Parlament“, findet Doleschal.

Der Anwalt verspricht: „Wir werden keinen Gauweiler-Wahlkampf, führen, diese Schizophrenie geht nicht auf.“ Man müsse den Nutzen Europas darstellen. „Wenn dann mit Manfred Weber der Kommissionspräsident aus Bayern käme, hätte das auch bei uns eine starke Wirkung.“ Inhaltlich fordert Doleschal, jetzt die richtigen Schlüsse zu ziehen: „Die Partei muss insgesamt moderner, weltoffener, frischer auftreten.“ Ökologisch und ökonomische Vernunft zusammenbringen, das bedeutet in der Sprachregelung der CSU: „Die Bewahrung der Schöpfung“ wieder zu einem Schwerpunkt zu machen. 

 

Quelle: AZ vom 16.10.2018

Alle Presseberichte

Newsletter

Sie wollen über aktuelle europäische Themen und meine parlamentarische Arbeit regelmäßig informiert werden? Hier können Sie sich für meinen monatlichen Newsletter anmelden.