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Mit einem hochkarätig besetzten Podium konnte MdEP Ismail Ertug am 9. März gemeinsam mit dem SPD Stadtverband Regensburg und dem SPD Ortsverein Innerer Westen über 50 Leute zur Podiumsdiskussion über die Zulassung von Gigalinern in Europa nach Regensburg locken. In einer sehr abwechslungsreichen, interessanten und kontroversen Debatte wurde das Thema von vielen Seiten beleuchtet. Das Podium war mit Bernd Opolka, Präsident der Europäischen Automobilclubs, Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Gertrud Maltz-Schwarzfischer, SPD-Stadtratsfraktion Regensburg und Manfred-Jürgen Fichtl, Vizepräsident des Landesverbandes bayerischer Spediteure bunt zusammengestellt.
Zum Einstieg erläuterte Ismail Ertug den europarechtlichen Rahmen für den Betrieb von Lang-LKW. Der Bundesverkehrsminister hat im Rahmen der Richtlinie 96/53/EG einen fünfjährigen Feldversuch genehmigt, der seit Anfang dieses Jahres erlaubt, Gigaliner auf bestimmten, angemeldeten Strecken zu betreiben. Dazu gehören hauptsächlich Autobahnen und Bundesstraßen. Diese, auch "Lang-LKW" genannten Transporter, dürfen in Deutschland bis zu 44 Tonnen wiegen und über 25 Meter lang sein. Ein normaler LKW darf 40 bzw. 44 Tonnen Gewicht und eine maximale Länge von 18,75 Meter haben. Ertug betonte, dass in anderen Mitgliedsstaaten der Union bereits Gigaliner unterwegs seien, deren zulässiges Gewicht jedoch Stück für Stück auf bis zu 60 Tonnen angehoben wurde.
Durch die größere Kapazität dieser LKW wird der Transport auf der Straße im Vergleich zur Schiene billiger, weshalb lange Transportwege wieder rentabler mit LKW zurückzulegen sind. Das widerspricht genau den Zielen des Weißbuchs Verkehrs der Kommission, das alle Gütertransporte über 300 Km Entfernung langfristig auf die Schiene verlagern will. Eine allgemeine Zulassung von Lang-LKW würde die Ziele der Kommission komplett unterminieren und hätte weitreichende Folgen für die Verkehrsinfrastruktur und die Verkehrssicherheit.
Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Bernd Opolka, Ismail Ertug, Bernd Flege und Jürgen Fichtl (Foto: Martin Gebhard)
Bernd Opolka, der vier deutsche und einen österreichischen Automobilclub vertritt, gab zu bedenken, dass 75 bis 80 Prozent der Autofahrer gegen die allgemeine Zulassung von Gigalinern seien. Ein wichtiger Grund hierfür sei die Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit: längere Überholwege, Leitplanken, die nicht für die Belastungen ausgelegt seien und eine größere Brandgefahr in Tunnels. Zudem kämen hohe Kosten für Infrastrukturanpassungen auf die Allgemeinheit zu.
Auf den letzten Punkt ging auch Dirk Flege ein. Rastplätze an Autobahnen seien nicht für diese langen LKW ausgelegt, Brücken müssten für Milliarden nachgerüstet werden und die Straßen würden um ein Vielfaches stärker abgenutzt. Zudem enstünden Kostenvorteile der Gigaliner gegenüber der Bahn, die eine mobile Lagerhaltung rentabel machten. Dadurch verteuert sich die Schiene im Vergleich zur Straße, was einerseits ökologisch nachteilig sei und andererseits zu noch mehr Verkehr führe.
Für Getrud Maltz-Schwarzfischer standen als Regensburger Stadträtin die Auswirkungen auf die Kommune im Vordergrund. "Was passiert denn, wenn die Autobahn gesperrt ist, und der Lang-LKW ausweichen muss?" Die Unsicherheit für Gemeinden und Städte, welche Folgekosten auf sie zukommen können sei ein gravierendes Problem. Zwar dürfen während des Feldversuchs nur bestimmte Strecken befahren werden, aber im Falle einer Streckensperrung oder einer späteren allgemeinen Zulassung können gravierende Folgen auf die Kommunen zukommen.
Als Vizepräsident der bayerischen Spediterue sah sich Manfred-Jürgen Fichtl zunächst zu einigen Klarstellungen gedrängt. Spediteure seien per se keine Lastwagenbetreiber, sondern transportieren Güter mit dem günstigsten Transportmittel von A nach B. Der Lang-LKW kann hier ein Glied der Transportkette sein, muss es aber nicht. Die Forderung, mehr Güter auf die Bahn zu verlagern, könne er schon nicht mehr hören. Laut Fichtl sind die Kapazitäten zu gering und die benötigten Verladestellen nicht oder nicht mehr vorhanden. Hier pflichtete ihm auch sein Spediteurskolle Siegfried Serrahn aus dem Publikum bei, der extra aus Osnabrück angereist war. Man würde gerne mehr mit der Bahn fahren, aber es ist wegen fehlender Kapazitäten und längerer Lieferdauer einfach nicht möglich.
Nach der Podiumsdisrunde entwickelte sich eine kontroverse Diskussion, die eines deutlich machte: die ganz klaren Fronten gibt es nicht. Die Spediteure im Publikum machten klar, dass sich ein Gigaliner nur dann lohne, wenn die Kundestruktur auch gegeben sei. Und im Alltag könne man den Lang-LKW nicht mit einem normalen vergleichen. Dass aber von vornherein der Einsatz von Gigalinern ausgeschlossen werden sollte, dagegen wehrten sie sich heftig. Andererseits gaben vor allem Dirk Flege und Ismail Ertug zu bedenken, dass die Zulassung für längere LKW, die aber wie normale LKW nur maximal 44 Tonnen wiegen dürfen, aber für bis zu 60 Tonnen ausgelegt sind, der Einstieg in die scheibchenweise Erhöhung der Größen und Gewichte sei. Trotz aller Kontroversen lässt sich als gemeinsames Ziel aber festhalten, dass ein Ausbau der Schieneninfrastruktur in Deutschland und Europa dringend notwendig ist, um den prognostizierten Anstieg des Gütervolumens um 70% zu meistern.



