Pressebericht

50 Jahre SPD Freudenberg: Einst als "Kommunisten" verschrien

Vor 50 Jahren trafen neun Männer aus Freudenberg eine mutige Entscheidung: Sie gründeten im "tiefschwarzen Ort" den SPD-Ortsverein, mussten sich dabei gar von Dorfbewohnern anpöbeln und als Kommunisten bezeichnen lassen.

1969 war ein gutes Jahr für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik stellte die SPD den Kanzler mit Willy Brand. Er sorgte damals mit seinem markanten Auftreten und seiner klaren Haltung für einen regelrechten Hype, den sich auch neun Freudenberger nicht entziehen konnten. Sie gründeten im Gasthaus Märkl den SPD-Ortsverein Freudenberg.

Wahrlich kein Strohfeuer, denn 50 Jahre später kommen etliche Gäste zum Jubiläum ins Gasthaus Dotzler. Unter anderem eine Delegation der SPD aus Freudenberg am Main. Das freute vor allem Andreas Koch. Der Vorsitzende bezeichnete seinen Ortsverein selbstbewusst als "Stütze des Kreisverbandes". Gekommen sind unter anderem Landtagsabgeordneter Uli Grötsch, Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder (elf Jahre war Freudenberg in ihrem Stimmkreis), Bezirksrat Richard Gaßner und Europaabgeordneter Ismail Ertug. SPD-Kreisvorsitzender Uwe Bergmann ließ es sich angesichts der Tatsache, dass er jahrelang an der hiesigen Schule unterrichtet hat, nicht nehmen, John F. Kennedys berühmtesten Satz in abgewandelter Form zu zitieren: "Ich bin ein Freudenberger."

Anpöbeln lassen

Auch Johann Binner, das letzte lebende Gründungsmitglied des Ortsvereins, bemühte ein historisches Zitat in seiner Rede: "Gerade heute muss ich wegen der Erstarkung der rechten Kräfte wieder oft an den Willy-Brand-Spruch ,Mehr Demokratie wagen' denken." So wie er es mit seinen acht Mitstreitern vor einem halben Jahrhundert getan hat. Binner erzählte, dass sich die Gründer damals anpöbeln und als Kommunisten bezeichnen lassen mussten. Die Freudenberger SPD-Urväter hatten trotz aller Widrigkeiten allerdings genügend Rückgrat, ihren Weg unbeirrt zu bestreiten, fleißig zu arbeiten und durchzuhalten.

Auch heute gibt sich Binner noch kämpferisch und ist um eine klare Meinung nicht verlegen: "Die AfD ist die Schande unseres Landes", schimpft der 70-Jährige. Ohnehin scheine die Welt angesichts eines Donald Trump als US-Präsident, des seit Jahren anhaltenden Syrien-Konflikts, von Terrorismus, Hunger und Katastrophen aus den Fugen geraten, was Binner zur These verleitete: "Die SPD wird eigentlich gebraucht wie nie."

In Freudenberg sind mit dem etablierten Ortsverein die Fundamente vorhanden. Deren Mitglieder haben in den vergangenen Jahren Etliches bewirkt, wie Vorsitzender Andreas Koch hervorhob: den Kreisverkehr in Lintach, die Busverbindung ins Oberland, den Geh- und Radweg zum Freibad, die Bushaltestelle in Lintach, den Fußgängerüberweg beim ehemaligen Freudenberger Hof (vielen besser bekannt als Schuller) und den Spielplatz in Freudenberg, der mittlerweile in einen Mutter-Kind-Bereich umgestaltet worden ist.

Ohne die treuen Gestalter in der Partei ginge es nicht. Beim Jubiläumsfest gab es viele Danksagungen - auch an den ehemaligen SPD-Kreisvorsitzenden, den mittlerweile 90-jährigen Sepp Donhauser, der die Freudenberger Gründer seinerzeit sehr ermutigte. Außerdem sind mit Andreas Bauer und Patrick Reng zwei neue Mitglieder aufgenommen worden.

Zwei verdiente Mitglieder

Die Willy-Brand-Medaille - die höchste Auszeichnung, die ein Ortsverein vergeben kann - wurde zwei langjährigen, verdienten Mitgliedern überreicht: Martin Binner und Gerhard Dotzler.

Binner ist seit 1970 Mitglied im Ortsverein, war 18 Jahre im Gemeinderat und kandidierte 1996 als Bürgermeister. Dotzler ist seit 1989 Mitglied der SPD Freudenberg, war 20 Jahre Vorsitzender des Ortsvereins und kandidierte 2014 als Bürgermeister. Er ist seit 2002 im Gemeinderat. "Ich wollte zu einer Partei, die sich für den kleinen Mann, für eine soziale und gerechte Politik mit demokratischen Mitteln einsetzt", erinnerte sich der 61-Jährige.

Quelle: ONetz vom 10.12.2019

 

 

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