Pressebericht

Ein Kilowatt pro Elektroauto

Die EU-Kommission will das Ladenetz in Europa schnell voranbringen: Per Verordnung sollen Ladepunkte entstehen. Die Kapazität ist dabei gekoppelt an den Absatz von E-Autos.

Die EU-Kommission plant zum schnelleren Erfolg der Elektromobilität offenbar einen direkten Durchgriff auf die Ladeinfrastruktur in den EU-Mitgliedsstaaten. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" soll künftig das Ladenetz eines Landes pro zugelassenem Elektroauto um ein Kilowatt wachsen müssen. Damit wäre sichergestellt, dass die Infrastruktur für die Elektromobilität künftig zumindest einigermaßen Schritt hält mit dem Absatz entsprechender Wagen. Ein mittelmäßiger Ladepunkt bietet derzeit 50 Kilowatt Ladeleistung pro Fahrzeug, wobei die Leistungen von elf bis 350 variieren. Mit zu berücksichtigen ist die Dichte der öffentlichen Ladepunkte: In Deutschland kommen auf eine Steckdose derzeit 17 Wagen, die EU hält höchstens zehn Wagen pro Steckdose für ideal.

Die Kommission legt die Neufassung der sogenannten "Richtlinie über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe" (AFID) am kommenden Mittwoch als Teil des "Fit for 55"-Pakets vor. Insgesamt zwölf Gesetze - darunter schärfere Grenzwerte für den Auto-Spritverbrauch und eben ambitionierte Ladenetze - sollen dazu beitragen, den klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoß in der EU deutlich zu reduzieren.

Und zumindest beim Ladenetz setzt die Kommission nun auf Tempo: Nach SZ-Informationen soll aus der Richtlinie eine Verordnung werden. Das bedeutet, das die Mitgliedsstaaten das nicht mehr verzögern und verwässern können über die nationale Gesetzgebung, weil eine EU-Verordnung unmittelbare Wirkung entfaltet. Dem Entwurf zufolge soll entlang der Schnellstraßen alle 60 Kilometer ein Schnellladepark für Autos entstehen. Auch beim gewerblichen Verkehr soll es vorangehen: Ebenfalls alle 60 Kilometer sollen Busse und Lastwagen Strom tanken können, und zwar auf beiden Fahrrichtungen. Geplant ist dabei eine Ladeleistung von 1400 Kilowatt im Jahr 2025. Im Jahr 2030 soll das auf 3500 Kilowatt steigen.

Zugleich wird auch das Netzwerk für Wasserstoff ausgebaut. Alle 140 Kilometer soll künftig in der EU eine Möglichkeit bereitstehen, ein Brennstoffzellen-Fahrzeug zu tanken. Hingegen soll die EU-Förderung für LNG, also Flüssiggas, den Informationen zufolge ab 2025 zurückgefahren werden.

Für Ismail Ertug, der für die SPD im Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments sitzt, ist das ein beachtlicher Fortschritt: "Endlich dürfte es nach vielen Jahren der Diskussion zu verbindlichen Regeln kommen, um die Elektromobilität deutlich nach vorn zu bringen", sagt der Abgeordnete aus der Oberpfalz. Teile der Union hätten sich allerdings zuletzt noch gegen diese Neufassung gestellt, die Industrie und Umweltverbände in seltenem Einvernehmen überwiegend begrüßten. Insofern ist das Endergebnis noch unklar: Nach der Vorlage der Pläne wird sich der EU-Ministerrat damit befassen.

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