Pressebericht

EU soll bei Batterien unabhängiger werden

Das EU-Parlament will den Batteriemüll reduzieren. Dabei geht es nicht nur um Umweltschutz, sondern auch um Unabhängigkeit bei der Batterieproduktion. Bestandteile wie Nickel kommen bisher oft aus Russland.

Die Europäische Union soll mehr aus Batterien herausholen - bevor sie auf dem Sondermüll landen. Dafür macht sich das Europaparlament schon seit Monaten stark. Jetzt hat es dafür mit großer Mehrheit einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht. Eigentlich sollte es dabei vor allem um mehr Umweltschutz gehen und um Arbeitnehmerrechte. Denn gerade da, wo Batterie-Rohstoffe wie Kobalt oder Nickel abgebaut werden, gibt es oft Umweltschäden, auch Kinderarbeit sei dort zu oft an der Tagesordnung.

Viel Nickel kommt bisher aus Russland

Doch jetzt, seit russische Truppen die Ukraine angegriffen haben und die Welt dadurch eine andere geworden ist, geht es um noch viel mehr. "Seit Putins schrecklichem Angriffskrieg auf die Ukraine wird, glaube ich, auch dem letzten klar, dass wir die grüne Transformation nicht nur für unser Klima, sondern auch für unsere strategische Souveränität brauchen. Und Batterien sind der entscheidende Baustein für diese Tranformation", sagt die grüne Europaparlamentarierin Anna Cavazzini. Europa müsse sich auch bei der Batterieproduktion unabhängig machen.

Ein Großteil der Nickel-Importe kommt aus Russland. In den vergangenen Tagen explodierte der Nickel-Preis an den internationalen Rohstoffbörsen regelrecht. Innerhalb weniger Stunden verdoppelte er sich auf rund 100.000 Euro pro Tonne. Für die Hersteller von Akkus und Elektrofahrzeugen sind das in hohem Maße beunruhigende Nachrichten.

Deshalb sei es für die Europäische Union jetzt höchste Zeit zu handeln, sagte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius. Schließlich werde der Batteriebedarf in den kommenden Jahren angesichts der sich weiter entwickelnden Elektromobilität massiv wachsen. "Im Lichte der russischen Attacke auf die Ukraine und der Aufgabe, Europa unabhängig zu machen von Importen, braucht es auch für den Batteriesektor dringend eine neue Gesetzgebung", so Sinkevicius.

Wiederverwertungsquote soll stark steigen

In den kommenden Jahren soll die Wiederverwertungsquote für Batterie schrittweise auf bis zu 90 Prozent erhöht werden. Neu produzierte Batterien müssen einen Mindestanteil von recyceltem Material enthalten. Hersteller müssen Haltbarkeit und Lebensdauer ihrer Produkte genau berechnen und transparent machen. Diese Vorschriften sollen nicht nur für Industrie-Akkus oder Stromspeicher in Elektroautos gelten, sondern auch für Batterien in Kopfhörern, Spiel-Joysticks oder in Computern und Laptops, Telefonen oder E-Bikes. Außerdem wird es ein festgeschriebenes Recht auf Reparatur oder Austauschmöglichkeit von Batterien geben - was heute vor allem bei vielen Mobiltelefonen funktioniert.

"Das Recycling von wertvollen und umweltkritischen Stoffen in Batterien wird eben ein Schlüssel sein zu einer nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Industrie, die weltweit an der Spitze stehen sollte", sagt der SPD-Europaparlamentarier Ismail Ertug. Und die dänische Abgeordnete Pernille Weiss aus der christdemokratischen EVP-Fraktion erklärt, dass man damit Respekt erweise gegenüber den Ressourcen der Natur, die nämlich nicht unendlich seien - und das sei richtig und gut. Eine neue europäische Batterieverordnung könnte schon Anfang nächsten Jahres in Kraft treten. Das ist jedenfalls der Wunsch einer Mehrheit im Europaparlament.

 

Tagesschau.de vom 10.03.2022

Siehe auch Elektroauto-news.de vom 14.03.2022

 

 

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