Pressebericht

Europawahl in der Oberpfalz: Die Große Wut auf die Groko

Die SPD hat Routine darin, schlechte Wahlergebnisse zu erklären. Das merkte man am Sonntagabend bei der Oberpfälzer Parteispitze. Die Grünen freuen sich einfach nur, und bei der CSU im Bezirk ist vor allem einer erleichtert.

Sie haben beide ihren Sitz im EU-Parlament sicher - doch unterschiedlicher können Reaktionen kaum ausfallen als bei Ismail Ertug und Christian Doleschal. Dem 31-jährigen Doleschal ist die Erleichterung anzuhören, als er sich am Telefon aus der CSU-Parteizentrale in München meldet. "Ich habe wirklich gedacht, die Chancen stehen 50:50, jetzt bin ich einfach erleichtert", sagt der JU-Bezirksvorsitzende. Das Zittern war für den Juristen aus Brand im Landkreis Tirschenreuth schon um 18 Uhr vorbei: Seine CSU liegt um die 40 Prozent, deutlich besser als bei der Landtagswahl 2018, auch das EU-Ergebnis von 2014 ist übertroffen. Doleschals Listenplatz fünf ist da eine sichere Bank.

Zittern musste auch Ertug nicht, trotzdem ist das Ergebnis seiner SPD pure Enttäuschung - unerwartet kam diese aber wohl nicht für den 43-Jährigen Amberger. Ertug hält sich nicht mit Trauerbekundungen auf, redet sofort Klartext: "Das Ergebnis spricht eine klare Sprache und war absehbar, es geht eindeutig auf die Große Koalition zurück." Auch die Konsequenz sei klar, Schluss mit der Großen Koalition: "Die Groko ist gut für Deutschland, aber sie frisst die SPD."

Einen anderen Schwerpunkt setzt Bayerns SPD-Generalsekretär Uli Grötsch. Dass von einem "historisch schlechten Ergebnis, schon wieder ein Viertel weggebrochen" ist, macht er an der SPD-Bundesführung fest. Namen will er nicht nennen, verweist aber auf die Vorstandssitzung am Montag in Berlin. "Dort müssen wir über Konsequenzen reden." An geeignetem Personal fehle es seiner Partei nicht, sagt Grötsch. Auch er betont, dass er nie ein Freund der Großen Koalition war, die Geduld mit der Union gehe zu Ende.

Bei Ertug ist sie schon aufgebraucht. Gute Akzente der SPD, etwa die Grundrente, würden nicht honoriert. "Die rückschrittliche Politik der Union zieht uns nach unten", so Ertug. Der Wähler wolle eine progressive Opposition, das zeige das Abschneiden der Grünen. Über dieses freut sich der Oberpfälzer Bezirksvorsitzende Stefan Schmidt am Sonntagabend. "Umwelt- und Naturschutz spielen eine viel größere Rolle", erklärt Schmidt den Erfolg seiner Partei. "Und dann wählen die Menschen eben das Original." Wobei auch Schmidt feststellt: "Wir profitieren in Deutschland auch von der Schwäche der anderen."

Besonders der Erfolg der Grünen bei jungen Wählern ist für CSU-Bezirksvorsitzenden Albert Füracker der Wermutstropfen in einen ansonsten erfreulichen Tag, den die CSU dank guter "Teamarbeit" und eines überzeugenden Spitzenkandidaten Manfred Weber erreicht habe. Dass die Grünen bei den Erstwählern vor der CSU liegen, mache nachdenklich. "Diese jungen Menschen lehnen ja nicht unseren Lebensstil ab", man müsse erklären, wovon dieser Lebensstil abhängt. Aber auch Füracker hät sich in Sachen Großer Koalition zurück. Angesichts der Ergebnisse von CDU und SPD und den Schwierigkeiten in Berlin müsse man sich Gedanken machen.

Allein Christian Doleschal ließ am Sonntagabend solche Gedanken nicht an sich ran. Er wollte sich einfach freuen - über 52 Prozent im Landkreis Tirschenreuth, 66 Prozent im Heimatort und über den neuen Job in Brüssel. Am Dienstag um 7 Uhr fliegt er zur ersten Fraktionssitzung an den neuen Arbeitsplatz.

 

Quelle: www.onetz.de am 27.05.2019

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