Pressebericht

Urlaub trotz Corona – Europa-SPD fordert EU-Hygienestandards für Touristikbranche

Bis Mitte Juni gilt eine internationale Reisewarnung. Für die Zeit danach soll ein neues EU-Hygienesiegel dafür sorgen, dass der Tourismus wieder in Schwung kommt.

Deutsche, die ihren Urlaub im europäischen Ausland gebucht haben, müssen sich noch gedulden. Nachdem die Bundesregierung die weltweite Reisewarnung für Touristen wegen der Corona-Pandemie noch bis mindestens 14. Juni verlängert hat, ist klar: Über Pfingsten sind keine Urlaubsreisen ins Ausland möglich.

Dass in der Hauptferienzeit im Sommer wieder gereist werden kann, ist nicht ausgeschlossen. Hoffnungen in diese Richtung machte zuletzt der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung. Wenn es auf den Balearen oder den griechischen Inseln kaum noch Neuinfektionen gebe und die medizinische Versorgung funktioniere, könne man auch über einen Sommerurlaub dort nachdenken, sagte Staatssekretär Thomas Bareiß (CDU).

Andererseits reagieren die Menschen in Deutschland derzeit mit Buchungszurückhaltung auf die Krise. Laut einer Kantar-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ möchte in diesem Jahr rund jeder Zweite (48 Prozent) auf Reisen im Sommer verzichten. 47 Prozent hingegen geben an, eine Reise zu planen: 32 Prozent der Befragten wollen innerhalb Deutschlands verreisen, 21 Prozent planen eine Auslandsreise (Mehrfachnennung möglich).

Die Buchungszurückhaltung könnte womöglich auch damit zu tun haben, dass viele Menschen aus Sorge, sich im Ausland eine Corona-Infektion einzufangen, Reisen derzeit eher meiden. Der Vizechef der SPD im EU-Parlament, Ismail Ertug, plädiert deshalb für europaweit einheitliche Hygiene-Standards in der Tourismusbranche.

„Wenn wir in den Urlaub fliegen oder fahren, wollen wir sicher sein, dass das gebuchte Hotel Maßnahmen zum Schutz vor einer Infektion getroffen hat“, sagte Ertug dem Handelsblatt. „Solche gemeinsamen Schutzstandards sollten durch ein europäisches Tourismus-Zertifikat sichtbar sein.“ Eine solche Zertifizierung trage zudem dazu bei, „dass verantwortungsbewusst handelnde Beherbungsstätten nicht durch unseriöse Anbieter aus dem Markt gedrängt werden“.

TÜV könnte Hygienemaßnahmen prüfen

Ertug hat seine Überlegungen in einem 12-seitigen Papier festgehalten, das an diesem Montag im Vorstand der sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament beraten und beschlossen und danach der EU-Kommission vorgelegt werden soll.

Da nicht absehbar sei, wann ein adäquater Impfstoff gegen Corona erhältlich sein werde, sei es „von größter Bedeutung, die Menschen vor weiteren Infektionen zu schützen“, heißt es in dem Papier, das dem Handelsblatt vorliegt. „Infolgedessen sind neue Maßnahmen erforderlich, um die Tourismusbranche am Laufen zu halten.“ Eine dieser neuen Maßnahmen könne die Einführung eines „europäischen Zertifizierungsverfahrens“ mit dem Ziel sein, einheitliche und geprüfte Standards festzulegen.

Konkret sollen nach der Vorstellung Ertugs nach bestimmten Kriterien EU-Standards festgelegt werden. Gelten sollen diese etwa für Umwelthygiene (Desinfektionsinfrastruktur, Lüftungssysteme, Reinigungsintervalle), persönliche Hygiene (Tragen von Masken und Handschuhen), Lebensmittelhygiene (verpackte Lebensmittel und Handtücher; Essensausgabe an Buffets nur durch Personal). Außerdem soll es klare Vorgaben etwa zu „sozialer Distanz“ (eingeschränkter Empfang der Kunden an der Rezeption; zeitverzögerte Animationsangebote) und Gesundheitsmaßnahmen (Fiebermessung für „Neuankömmlinge“) geben.

Durchgeführt werden sollen die Zertifizierungsverfahren anhand eines Bewertungsformulars von Behörden oder neutralen Dritten, in Deutschland beispielsweise von den Prüforganisationen TÜV und Dekra. Zertifikate sollen demnach die Tourismusunternehmen erhalten, die die Hygienestandards erfüllen.

Tui-Gesundheitscheck für alle Urlaubsziele

Mit ihrem Vorstoß trifft die Europa-SPD einen wunden Punkt. „Ziel aller Überlegungen – europäisch wie national - muss es sein, zeitnah einen sicheren Weg zur Urlaubsreise zu ebnen – in Deutschland, Europa und der Welt“, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Norbert Fiebig, dem Handelsblatt. Dazu bedürfe es europäischer wie nationaler Initiativen.

Fiebig wies darauf hin, dass die Reisewirtschaft bereits einen umfassenden „Maßnahmenkatalog“ zur Wiederaufnahme des touristischen Geschäfts entwickelt und der Bundesregierung zur Verfügung gestellt habe. „Solange von Reisen im Inland abgeraten wird und es eine weltweite Reisewarnung gibt, werden die für eine Belebung erforderlichen Maßnahmen nicht umsetzbar sein“, heißt es in dem Papier, das dem Handelsblatt vorliegt. Wenn diese Voraussetzung erfüllt sei, „müssen Rahmenbedingungen angepasst werden, um das Risiko für Urlauber und allen an der touristischen Produkt- und Leistungskette mitwirkenden Personen soweit möglich zu minimieren“.

Auch der Reiseveranstalter Tui ist vorbereitet. „Wir haben einen Gesundheitscheck für alle Urlaubsziele ausgearbeitet und werden Urlaub nur dort anbieten, wo er auch sicher ist“, sagte der Tui-Chef Friedrich Joussen der „Bild am Sonntag“. An erster Stelle stehe dann sicherlich Mallorca. „Die Hotels dort haben einen Probelauf gemacht, können sofort starten und Gäste aufnehmen.“ Ähnlich gut seien Griechenland, Zypern, Kroatien und Bulgarien auf den Sommertourismus vorbereitet, sowie Österreich und Dänemark.

Joussen forderte zugleich Erleichterungen im Reiseverkehr: „Zunächst muss Deutschland die Grenzen öffnen. Auch die bis zum 14. Juni gültige Reisewarnung des Auswärtigen Amts sieht der TUI-Chef kritisch: „Die generelle und weltweite Reisewarnung halte ich nicht für richtig“, betonte er. „Man sollte vielmehr für jedes Land beziehungsweise jede Region eine individuelle Bewertung und nur wenn nötig Warnungen aussprechen.“ Mallorca sei weit weniger von Corona betroffen als Madrid. „Die Reise- und Bewegungsfreiheit in Europa ist ein Kern der EU“, so Joussen.

 

Quelle: handelsblatt.com vom 11.05.2020

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