Pressebericht

Was frustet Schüler an der Politik?

Ein internationales Projekt zu dieser Frage an der BOS - Der Schlüssel zur Politikverdrossenheit: “Die Politik interessiert sich ja auch nicht für mich!”

Von Heike Hornig

Cham. Für anderthalb Stunden konnten die Schüler der 11. Klassen der Beruflichen Oberschule Cham in einen direkten Dialog mit Politikvertretern aus unterschiedlichsten Ebenen treten. Anlass dafür war die Abschlussveranstaltung des Comenius-Projekts “YAPIE” (Youth and politics in Europe), das die Schule von 2013 bis 2015 durchgeführt hat.

 

Das Podium war hochkarätig besetzt mit Abgeordneten von Stadt, Land und Bund sowie der EU. Der Bundestagsabgeordnete Karl Holmeier (CSU), der Landtagsabgeordnete Dr. Karl Vetter (FW), der Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Hopp (CSU), der EU-Abgeordnete Ismail Ertug (SPD) sowie die 2. Bürgermeisterin Christa Strohmeier-Heller standen den Schülern Rede und Antwort.

 

Wie können Politiker motivieren?

Nach ersten einführenden Worten der Schulleiterin Barbara Dietzko, erläuterte Gerhard Höcht, einer der drei projektverantwortlichen Lehrer, den Hintergrund des Projektes (siehe Info). Drei der von den Schülern gedrehten Videoclips wurden bei der Veranstaltung zum Einstieg gezeigt. Die Filme regen dazu an, über den Zugang von Jugendlichen zur Politik kritisch nachzudenken.

 

Die Grundsatzfrage: Wie sollte die Politik mit Jugendlichen umgehen, um sie dazu zu motivieren, sich in der Gesellschaft zu engagieren? Fragen, die junge Leute beschäftigen: Bald habe ich meinen Schulabschluss, was kommt dann? Wie ist mein Leben überhaupt finanzierbar? “Werde ich eine Ausbildung machen können?

 

Die klare Aussage einer jungen Frau im österreichischen Videoclip: “Ich interessiere mich nicht für Politik - die Politik interessiert sich ja auch nicht für mich!”. Diese Aussage griff der Bundestagsabgeordnete Karl Holmeier auch gleich auf und verdeutlichte, an wie vielen Stellen sich die Politik mit wichtigen Themen der Jugend beschäftige, zum Beispiel auf dem Feld der Bildung. Ihm sei aber durchaus bewusst, dass es an Transparenz und an zielgruppengerechter Kommunikation fehle. So können den Jugendlichen gar nicht bewusst werden, an welchen Stellen eigentlich ihre Interessen im Mittelpunkt der Politik stehen. Holmeier äußerte einen persönlichen Wunsch: In Deutschland müsse es zum schulischen Pflichtprogramm gehören, dass jede Schulklasse einmal für eine Woche nach Berlin und in den Bundestag eingeladen wird. Dies liege aber nicht in seiner Hand. Sein ganz persönliches Angebot an die Schüler: Jeder kann sich für ein einwöchiges Praktikum bei ihm in Berlin bewerben.

 

Politiker-Wunsch: Engagiert euch!

Nachdem sich die Jugendlichen in den Videoclips mit der Frage auseinandergesetzt hatten “Was brauchen wir, um uns politisch zu engagieren?”, ging auch die Einstiegsfrage der Schüler an das Podium in eine ähnliche Richtung. So wollte ein Junge wissen: “Ob denn Politiker immer gerne um den heißen Brei herum reden, anstatt auf den Punkt zu kommen?” Ihm sei aufgefallen, dass die Kanzlerin direkten Fragen gegenüber immer nur sehr ausweichend antworte. Dr. Vetter zitierte dazu: Nur wer wirklich etwas zu sagen hat, kann sich auch kurz halten!” Und der FW-Landtagsabgeordnete gab zu, dass es einen gewissen “Politsprech” gebe, der nicht unbedingt für Transparenz sorge. Dr. Gerhard Hopp ergänzte, dass es aber auch nicht immer auf Alles ganz einfache Antworten gebe - aufgrund der Komplexität verschiedener Fragestellungen.

 

Schon die zweite Frage der Schüler beschäftigte sich dann mit aktuellen, politischen Themen und beleuchtete das Thema Flüchtlingspolitik. Dabei wurde die Diskussion sehr kontrovers auch innerhalb des Podiums geführt und den Schülern wurde deutlich, wie viel Zündstoff darin liegt.

 

Fazit am Ende der Diskussion: Eine teilweise vorhandene Politikverdrossenheit hat auf jeden Fall mit fehlender Transparenz und mangelhafter Information zu tun. Die Bitte der Jugend an die Politik: Von Anfang an offen und ehrlich miteinander umgehen! Empfehlung der Politik an die Jugend: Engagiert euch! Denn das Schlimmste ist es, sich nicht einzumischen.

 

Quelle: MZ am 28.07.15

 

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